| Ferdis
Drehorgelorchester spielte in Reichstädter Kirche.
Ein Bericht
von Prof. Dr. Adolf Heger
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| Am 18. Juli
gastierte in der Reichstädter Kirche Ferdi's
Drehorgelorchester aus Duisburg. Ich hatte zwar schon in
der Sächsischen Zeitung am 20. Juli über dieses
Ereignis berichtet, will aber an dieser Stelle für
diejenigen Leser der "Reichstädter
Nachrichten", die die SZ nicht abonniert haben,
nochmals darüber informieren. |
Durch
Vermittlung des Fremdenverkehrsamtes Frauenstein kam die
Gemeinde Reichstädt als erster Ort in Sachsen in den
Genuß, das einzige Drehorgelorchester mit eigenem
Musikarrangement zu Gast zu haben. Die Geburtsstunde des
mittlerweile weltbekannt
gewordenen Orchesters war im Jahre 1989. Heute verfügt
das Orchester über fünf Orgeln (drei so-
genannte Trompeten- und zwei Harmonipan-Orgeln), die sich
äußer-
lich kaum von den Leierkästen vergangener Tage
unterscheiden, innerlich aber mit neuester Computer-
Technologie ausgestattet sind. Über ein
selbstgeschriebenes Arrangement "spricht" das
Computerprogramm über Elektromagnete die verschiedenen
Register und Pfeifen der Orgeln an. Die fünf Orgeln
selbst sind elektronisch miteinander vernetzt. Nur das
Drehen ist von der alten Art der Klangerzeugung
geblieben.
Mit "Der Mensch denkt, Gott lenkt" begann
Pfarrer Lemke seine einführenden Worte. Er nahm dabei
Bezug auf seine Bemerkungen anläßlich der Veranstaltung
mit den Abiturienten des Dresdener Kreuzchores am 12 Juni
1998, wonach das nächste Großereignis in der
Reichstädter Kirche erst wieder zu Weihnachten zu
erwarten sei. Nun hatte ein glückliches Geschick das
Auftreten des Orgelorchesters ermöglicht.Der Umgebung
angepaßt, begann das Orchester sein Konzert mit
"Ein feste Burg ist unser Gott" nach Psalm 46
von Martin Luther (1529). Schon hier wurde das Können
der 6 Orchestermitglieder unter Leitung von Ferdinand
Bischoff deutlich. Fortgesetzt wurde das Programm mit dem
"Ännchen von Tharau" (Heinrich Albert 1642)
und den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi
(1678-1741). In einem freien Arrangement von Ferdinand
Bischoff erklangen Teile der 6. Symphonie Ludwig van
Beethovens (1770-1827). Vor dem "Einsteigen in
flottere Stücke" erklang in einer schönen
Drehorgelbearbeitung das bekannte Lob- und Danklied
"Großer Gott, wir loben Dich".
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Mit dem
"Einzugsmarsch" aus dem
"Zigeunerbaron" von Johann Strauß d.J.
(1825-1899) begann der "weltliche" Teil des
Konzertes. Nach Originalnoten der Wiener Philharmonie
wurde der Straußwalzer "An der schönen blauen
Donau" gestaltet. Diejenigen, die "Conquest of
Paradise" bisher nur von den Boxkämpfen unseres
Henry Maske kannten, erlebten eine unvergeßliche
Orgelversion dieses "Ohrwurmes". Für mich
persönlich sehr beeindruckend war das auch durch Ireen
Sheer bekannt gewordene "Amazing Grace"
("Ein schöner Tag war uns beschert"). Die
besondere Schwierigkeit bei der Interpretation von
Melodien aus den
Musicals "Phantom der Oper" und
"Cats" von A.L. Webber bestand vor allem darin,
daß vier Oktaven im Original auf eine Oktave der Orgeln
reduziert werden mußten. Mit Melodien nach Stefanie
Hertel (gewissermaßen als Reverenz an das Gastgeberland
Sachsen) und dem Trompetensolo "Heilige Berge"
von Stefan Mross wurde zum letzten Teil des un-
vergeßlichen Abends übergeleitet, der mit dem "Ave
Maria" begonnen wurde. Mit dem abschließenden
"Time to say Good Bye" war es möglich,
Stereoeffekte zu imitieren. Die Trompetenorgeln
übernahmen dabei den Part von Andrea Bocelli, die
Harmonipan-Orgeln den von Sarah Brightman.

Der Beifall der Besucher wollte kaum ein Ende nehmen.Nach
dem offiziellen Ende der Veranstaltung wurde den Gästen
die Möglichkeit gegeben, selbst ihre Künste an den
Orgeln zu erproben.
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